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Nach NPD-Feedback: Prominente Unterstützung macht Mut – „Gemeinschaft GEGEN Rechts und FÜR Toleranz“!

Nachdem ich ja gestern schon von dem NPD-Feedback in meinem Gästebuch berichtet habe, werde ich mich heute noch einmal kurz mit diesem Thema befassen.

Wie bereits erzählt, hatte ich direkt nach dem Lesen des Gästebuch-Eintrages den Zugang zum Weblog durch ein Passwort geschützt und damit den Zugang dicht gemacht. Gleichzeitig hatte ich den Thüringer Verfassungsschutz und Holger Kulick von „Mut gegen rechte Gewalt“ informiert, um um Hilfe zu bitten. Ich war ziemlich ratlos und zugegebenermaßen auch etwas eingeschüchtert.

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Wie bereits erzählt, hatte ich sofort sowohl vom Verfassungsschutz als auch von Holger Kulick eine Antwort bekommen. Während man mir beim Verfassungsschutz nahe legte bei einer konkreten Gefährdung meiner Person die örtliche Polizeidienststelle aufzusuchen, motivierte mich Holger Kulick, mich nicht einschüchtern zu lassen und stattdessen „Mit-Mutige“ zu finden, die mich unterstützen.

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Ich habe den Ratschlag von ihm beherzigt und mich gestern an die lokale Presse gewandt. Ich habe einige Redaktionen angeschrieben, weil ich mir einen Eindruck davon verschaffen wollte, ob es ähnliche Vorfälle in Thüringen gibt und wie professionelle Journalisten mit einer solchen Situation umgehen.

Heute Morgen dann kamen die ersten Rückmeldungen, die ich natürlich nicht vorenthalten möchte!

Die erste E-Mail kommt von Kai M., Redakteur bei der Thüringer Allgemeinen (TA):

„(…) Falls sie die Zeitung lesen, haben sie bestimmt auch bemerkt, dass ich häufiger auch über Probleme des Rechtsextremismus in Thüringen schreibe. (…) Eines ist mir
dabei bewusst, als Redakteur einer großen Zeitung bin ich bei den Rechtsextremisten bestimmt bekannt. (…) Allerdings ist die Hemmschwelle, gegen Journalisten etwas zu unternehmen oder diese zu bedrohen auch in diesen Kreisen sehr hoch, so dass ich zum Glück bisher nicht Ihre Erfahrungen machen musste.
Der Vorfall, den Sie schildern, ist kein Einzelfall. Ähnliche Beispiele gibt es aus Eisenach, Jena oder Gera zu berichten. Bisher war es immer bei verbalen Drohungen geblieben, die aber vor Jahren auch mit einzelnen steckbriefartigen Veröffentlichungen im Internet einhergingen.
Andersdenkende abzuschrecken, daran hat sich aber nichts geändert. Ich würde Ihnen allerdings raten, sich Verbündete und Freunde zu suchen um so einen Weblog zu betreiben. Auch wenn kaum davon auszugehen ist, dass Gewalt von den Neonazis angewendet wird, ist es nicht auszuschließen. Aber es gibt wirkungsvollere Formen, wie beispielsweise das Mail-Schreiben, nach dem Motto, steter Tropfen höhlt den Stein. Dieses Belästigen kann auf Dauer viel frustrierender sein. (…)“

Erst einmal vielen Dank für dieses E-Mail!

Mir ist klar, dass ich als einzelner Weblog-Betreiber einen ganz anderen Stand habe, als ein Redakteur einer großen überregionalen Tageszeitung.

Scheinbar bin ich ja auch kein Einzelfall.

Gerne würde ich den Kontakt mit Menschen, die ähnliches erlebt haben suchen. Sprich mit jenen Fällen, die Kai M. genannt hatte. Des Weiteren empfahl mir Kai M., mich an Mobit zu wenden, „einer nichtstaatlichen Gruppe, die in Thüringen viel Erfahrung mit Opfern rechter Gewalt, den Strukturen und Bedrohungen haben.“ Ich werde versuchen einen Kontakt aufzubauen! Ich möchte Kai M. und der TA für diese Rückmeldung recht herzlich danken!!!

Die zweite E-Mail, die ich hier nennen möchte kommt von Thorsten B., Redakteur bei der Thüringer Landeszeitung (TLZ):

„`Um Gottes Willen nicht einschüchtern lassen!!!`: Wer sich beruflich mit dem
Thema beschäftigt, wird die Dinge so sehen, wie es Holger Kulick schreibt. Allein: Es gibt viele Menschen, die aus einem ethischen Verantwortungsgefühl heraus eine deutliche Position gegen Rechts beziehen, aber ehrenwerten Berufen wie Bäckermeister, GmbH-Geschäftsführer u. ä. nachgehen. Dass diese Frauen und Männer zumindest nachdenklich werden, wenn sie persönlich mit Schmähungen oder gar Bedrohungen konfrontiert werden, ist völlig verständlich.
Als in Weimar vor gut einem Jahr eine Zukunftskonferenz zum Thema Rechtsextremismus stattfand, erschien dazu eine braune Internetseite, auf der die 64 Teilnehmer aufgelistet wurden: mit Namen und Foto, Anschrift, Automarke samt Kennzeichen u.s.w. Selbst die
Staatsanwaltschaft war eingeschaltet worden, sie konnte allerdings wenig ausrichten, da der Server irgendwo in den USA stand. Das Gefühl, ausspioniert worden zu sein und mehr oder minder bedroht zu werden, irritierte viele der Teilnehmer. Einen ähnlichen Fall kenne ich aus Gotha: Damals sollten die Teilnehmer des Antifaschistischen Ratschlages eingeschüchtert werden.
Natürlich ist das eine Masche, die in erster Linie einschüchtern soll: Von tatsächlichen Überfällen ist mir zumindest im Weimarer Raum bislang nichts bekannt. Auch das Filmen und Fotografieren von Teilnehmern einer Gegendemo ist ein beliebtes Spiel der Rechten, um zu suggerieren: Wir beobachten Dich! Eine Strategie, die seit der Anti-Antifa von Christian Worch bundesweit praktiziert wird. Gegen die man sich aber auch wehren kann. Portraitfotos
sind zum Beispiel tabu, sollten sie ohne Ihre Einwilligung gemacht werden. Das kann jedem Polizisten während einer Demonstration zur Anzeige gebracht werden. Und wenn er nicht aktiv werden will, verlangen Sie seinen Vorgesetzten.
Sie befinden sich in der Zwickmühle: Weblogs wie der Ihrige schreien natürlich nach Öffentlichkeit: Sie sind offen für alle, gute Menschen, aber auch böse, die so einen Zugriff auf private Details haben. (…)
Ich denke, dass es wichtig ist, trotz derartiger Versuche engagiert gegen Rechts einzutreten. Sonst können wir ein manchmal sehr fragiles Gefüge wie unsere Zivilgesellschaft gleich abschreiben. Und deshalb macht es auch Sinn, sich ein klein wenig zu schützen – zumal Behörden bei dieser Form der Internet-Kriminalität ein wenig behäbig sind. Man muss nicht gleich seine private Anschrift im Internet veröffentlichen. Und man muss auch nicht in
jedem Telefonbuch stehen usw. Ich zum Beispiel veröffentliche nicht jeden Artikel, den ich über Neonazis in Weimar schreibe, mit meinem Namen. Ich bin nicht hysterisch, nur ein wenig vorsichtig.“

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Auch hier möchte ich mich recht herzlich bei Thorsten B. und der TLZ bedanken. „Nur nicht einschüchtern lassen!“ scheint das Motto all jener zu sein, die sich selber intensiv mit dem Thema Rassismus und Rechtsextremismus beschäftigen.

Erschreckend ist, was Thorsten B. über die Zukunftskonferenz in Weimar berichtet. Dass die Teilnehmer so an den Pranger gestellt und ihre gesamten Daten veröffentlicht wurden, macht schon ganz schön Angst. Da kann ich sehr gut nachempfinden, wie sich diese Menschen gefühlt haben müssen, wobei es bei ihnen ja noch extremer war, als das mit dem Gästebuch-Eintrag bei mir.

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Die beiden E-Mails aus den zwei größten Tageszeitungen Thüringens zeigen ganz deutlich, dass die Einschüchterungstaktik der Rechten ein weit verbreitetes Phänomen zu sein scheint. Aber nicht nur das: Kai M., Thorsten B und ganz besonders natürlich Holger Kulick machen mit ihren Worten und den Erfahrungen, die sie bereits gesammelt haben ungemeinen Mut, sich von solchen Feedbacks nicht einschüchtern zu lassen.

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Und auch der Thüringer Verfassungsschutz hat sich abermals gemeldet und steht auch in Zukunft weiter zu Verfügung:

„Ihr zivilgesellschaftliches Engagement gegen regionale Erscheinungsformen des Rechtsextremismus ist begrüßenswert.
(..) ist unbestritten, dass sich Teile der rechtsextremistischen Szene – insbesondere aus dem Skinheadspektrum – durch erhöhte Gewaltbereitschaft auszeichnen. (…) In jedem Falle
sollten Sie, wie bereits dargelegt, im Falle einer Bedrohung Kontakt zur Polizei aufnehmen.“

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Auch hier noch mal: Vielen Dank! Sollte es zu einer konkreten Bedrohung kommen, werde ich umgehend die Erfurter Polizei und natürlich auch wieder den Thüringer Verfassungsschutz informieren!

Ich möchte mit der Kontaktaufnahme zu den verschiedenen Publikationen und Institutionen und der Veröffentlichung des jeweiligen Schriftverkehrs zeigen, dass ich mich auch bei weiteren (vermeintlichen) Einschüchterungsversuchen nicht davor scheuen werde an die Öffentlichkeit zu gehen.

Sowohl „Mut gegen rechte Gewalt“, als auch die Thüringer Allgemeine und die Thüringer Landeszeitung haben mir versichert weiterhin ein offenes Ohr für entsprechende Anliegen zu haben. Mit weiteren Publikationen und Institutionen stehe ich in Kontakt.

Und wer dennoch verunsichern, einschüchtern oder bedrohen sollte, der Muss auch die Konsequenz in Kauf nehmen, dass eine breite Öffentlichkeit davon erfahren wird. Dann ist das Ergebnis so wie im aktuellen Fall: eine breite Diskussion und Aufmerksamkeit wird erzeugt und angestrebt!

Neben den oben bereits erwähnten möchte ich mich hier noch bei weiteren Personen bedanken:

Meinem Professor Martin L., der mir ein persönliches Gespräch angeboten hat, um über das Thema „Rechtsextremismus und wie man als Blogger mit solchen Feedbacks umgehen sollte“ zu sprechen.

„Ben“, der mir im Gästebuch schrieb:
„Mach weiter so und lass dich nicht unterkriegen von unserem kleinen NPD-Freund!“

„Eric“, der den Kommentar hinterließ:
„Lasst dich von den Nazis nicht einschüchtern.“

Es zeigt sich, dass eine breite Masse hinter mir und allen anderen, die für Toleranz und gegen Rassismus und Rechtsextremismus eintreten, steht. Wir alle bilden eine “Gemeinschaft GEGEN Rechts und FÜR Toleranz“!

bluejax
Erfurt, den 15. Februar 2006

Quellen und Links:
http://myblog.de/bluejax/gb
http://www.myblog.de/bluejax/art/2900505
http://www.verfassungsschutz.thueringen.de/
http://mut-gegen-rechte-gewalt.de/start.php?id=1&
katname=Startseite
http://www.thueringer-allgemeine.de/
http://www.tlz.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinschaft

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